Die fünf Bünde sind die größten Zusammenschlüsse der Vampire. Sie sind breite kulturelle, politische, philosophische oder religiöse Strömungen, die eine Vielzahl lokaler Interessengruppen in aller Welt vereinen. Für Berlin wesentlich relevanter sind die Kabalen vor Ort. Viele Anverwandte, die ihre Heimat nie verlassen haben, können mit den "offiziellen" Bundbezeichnungen womöglich nicht einmal etwas anfangen. Aber sie geben einen groben Überblick über mögliche Einstellungen, Feinde und Verbündete, die eine Figur haben kann.

Autarke

Nicht alle werden in einen Bund erschaffen oder haben sich (bisher) für einen entschieden. Wer die Freiheit liebt, oder die Gefahr, kann bundlos bleiben und sich ohne ein höheres Ideal in die Nacht begeben - oder mit einem eigenen.

Ein Vampir muss keinem Bund angehören. Als Autarkis oder Bundloser steht er allerdings alleine da und ist sehr leicht angreifbar. Daher neigen Vampire, die einfach mit ihrem Requiem klarkommen und ihre Unabhängigkeit bewahren wollen, dazu, sich derjenigen lokalen Kabale anzuschließen, die am wenigsten von ihren Anhängern zu fordern scheint (das ist in der Regel eine Kabale, die der Carthianischen Bewegung nahesteht bzw. diesen Bund in der Domäne repräsentiert).

Carthianische Bewegung

Carthianer sind Reformer und Revolutionäre. Der jüngste der Bünde ist eine Kraft des Wandels in der von Stillstand bedrohten Gesellschaft der Toten.

Die Carthianische Bewegung ist der Fortschrittlichste der Bünde, und ihre Anhänger können mit der überholten Verehrung von "Fürsten" ebenso wenig anfangen wie mit blindem Gehorsam gegenüber irgendeinem Gott. Die Carthianer arbeiten gemeinsam daran, eine zeitgemäße Gesellschaft der Vampire zu entwickeln, und bedienen sich dabei Modellen und Praktiken von Parteien, Unternehmen und Philosophen.

Da die Carthianer oft weniger Pflichten von den Mitgliedern des Bundes erwarten als andere Bünde und sie weniger als andere Bünde dagegen haben, wenn man sich später einem anderen Bund anschließt, besitzt der Bund speziell für nach 1800 erschaffene Vampire eine hohe Anziehungskraft. Eines aber sind die Carthianer nicht: Ziellose Rebellen, Anarchisten und Chaoten – der Inbegriff solcherlei Gesinnungen sind die Bundlosen, nicht die Carthianer mit ihrem festen Glauben an eine für alle gleichermaßen bindende, moderne Gesellschaftsordnung!

Invictus

Die Edlen des Ersten Standes sind ein konservativer Bund vampirischer Elitisten, die sich als die Herrscher und Gesetzgeber der Nacht betrachten.

Tatsächlich beruhen fast alle modernen Höfe auf Initiativen des Invictus. Ideell ist der Invictus einer unveränderlich festen, hierarchisch nach Macht organisierten Gesellschaft zugetan, auf deren ehernen Pfeilern eine ewige vampirische Kultur wachsen kann. Invicti verstehen sich als Stabilität stiftenden Faktor in einer chaotischen Welt der Dunkelheit. Die Bundlosen und die Carthianer stellen den natürlichen Feind des Bundes dar.

Lancea Sancta

Die Geheiligten des Sanktums bilden die dunkle Kirche der Vampire, nach deren Glaube alle Vampire von Gott dazu verdammt wurden, sein Zorn auf Erden zu sein.

Die Dunkle Kirche sagt, dass alle Vampire Teil von Gottes Plan sind. Verdammt dazu, der böse Jäger in einer Welt der Dunkelheit zu sein, welche die Menschen das Fürchten lehren sollen, damit sich diese in ihrer Not Gott zuwenden. In diesem Sinne sind die Vampire der Lancea Sancta die unmenschlichsten Schrecken einer ohnehin unmenschlichen Rasse: Die Sekte zelebriert das Vampirsein als Bestimmung und Richtung allen Seins der Verdammten und verurteilt menschliche Gefühle wie Zuneigung oder Mitleid als Sünde gegen Gottes Plan für die Vampire.

Die zentrale Figur im Glauben der Geheiligten ist der römische Legionär Longinus, der Jesus die Lanze in den Leib stieß, als er am Kreuz hing. Die Lancea sagt, dass Longinus durch Gott verflucht wurde (er also nicht erschaffen wurde). Als wahrhaftiger "Verdammter" wurde ihm die Mission Gottes offenbart, und als Dunkler Messias bringt er den Vampiren die Botschaft des Sinnes ihrer Existenz.

Ordo Dracul

Die Drachen sehen sich als Gefolge des historischen Dracula und versuchen durch Wissenschaft und eiserne Selbstkontrolle die Makel des Vampirfluchs zu überwinden.

Der zweitjüngste Bund nach den Carthianern ist ein Geheimorden von Okkultisten und machtorientierten Denkern. Die Ordo Dracul geht eigenen Überlieferungen zufolge auf Vlad Tepes zurück, der höchstselbst den Orden gegründet haben soll. Dracula – so sein Orden – sei von Gott verflucht worden wegen seiner Verbrechen sowie dafür, sich von Gott abgewandt zu haben. Der Orden des Drachen lehrt aber, jene Verdammung nicht demutsvoll hinzunehmen, sondern aus der Tiefe des Selbst neue Kräfte zu schöpfen, um endlich Gottes Fluch aus der eigenen Macht heraus zu brechen.

Die Drachen operierten lange Zeit als geheimer Kult, deren Mitglieder andere Bünde unterwanderten – viele tun das auch heute noch – so dass den Drachen, wo immer sie auftauchen oder vermutet werden, mit Misstrauen begegnet wird.

Zirkel der Mutter

Die Akolythen des Hexenkreises sind heidnische Vampire, oft ohne ersichtliche Ordnung, die Geister und alte Götter in blutigen Riten um Macht anrufen.

Im Gegensatz zur Verdammung durch Gott propagiert der Zirkel der Mutter einen ursprünglicheren Quell des Vampirseins. Nicht Verdammnis, sondern die eigene Göttlichkeit steht im Kern des Hexenzirkels. Ihre Schöpfungsgeschichten handeln vom gehörnten Gott Cernunos, den Göttern des Todes und des Abgrundes, von Inanna und Ereshkigal, den blutigeren Inkarnationen der Morrigan und vielen schrecklichen Mythen mehr.

Akolythen, wie man die Zirkelangehörigen nennt, lehnen die Vorstellung von Buße ab. Der Bund gilt als unkontrollierbare Kabale ketzerischer Wilder, die ungenannten Schrecken, Dämonen und Schemen blutige Opfer darbringen.